Ein Herz für Holzhandwerker

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Heute war ich unter anderem mal wieder in meiner favorisierten Holzhandlung – momentan baue ich ein wenig an meinem Landschildkröten-Innengehege weiter (das Projekt ist Euch aus diesem Blogeintrag bereits bekannt). Ein traditioneller Holzgroßhandel ist das, in dem schon mein Vater vor über 40 Jahren eingekauft hatte, als er beispielsweise für uns Kinder zu Weihnachten Holzspielzeuge wie etwa einen Schaukelhund, oder ein begeh- und platzsparend zusammenklappbares Spielhäuschen anfertigte (mit Tür, vier Fenstern mit Fensterläden und Dachluke, zudem mit einer elektrischen Türklingel und Innenbeleuchtung – was war ich stolz damals, als ich es vorm Christbaum fand; ich muss so um die zweieinhalb Jahre alt gewesen sein und wollte gar nicht mehr aus dem Häuschen rauskommen).

Die Fahrt dorthin dauerte fast eine halbe Stunde, denn der Holzhandel liegt am Südrand von „Graustadt“. Ich sitze hier ganz schön weit ab vom Schuss – wenn ich eine ausgedehntere Einkaufsrunde mit mehreren Stationen mache (so wie heute, es herrschte nämlich akuter Klopapier-, Kaffee- und Zigarrenmangel), habe ich hinterher oft an die 50 bis 70 Kilometer auf der Uhr.

In der Holzhandlung kaufte ich Sperrholztafeln für die Ausfachung der Seitenrahmen des möbelstückartigen Innengeheges – weil ich hier momentan nur eine Laub- eine Fuchsschwanz- und eine elektrische Stichsäge und keine Tischkreissäge mehr besitze, lasse ich längere Sägeschnitte, bei denen es zudem auf absolute Präzision ankommt, lieber aushäusig erledigen. Meine Zuschnitt-Wünsche besprach ich mit einem äußerst höflich-hilfsbereiten älteren Mitarbeiter mit eisgrauer Pferdeschwanzfrisur und tief eingemeißelten Lachfältchen um die wachen dunklen Augen. Manchmal kommt es vor, dass einem eigentlich wildfremde Menschen sofort sehr sympathisch und vertraut erscheinen. Der Schreiner dort war solch ein Zeitgenosse. Auch sein Chef, bei dem im Büro ich die Holzteile bezahlte, als ich sie nach einer Stunde fertig zugeschnitten abholte, war sehr zuvorkommend, auf eine echt menschlich-herzliche und nicht nur geschäftstüchtig-kundenumgarnende Art. Auch hier ergab sich ein bisschen vergnüglicher Smalltalk.

Einmal mehr machte ich somit die Beobachtung, dass fast alle Holzhandwerker, die mir bislang begegneten, eher sympathische Leute sind. Egal ob das der ortsansässige Tischler in meiner „Niedergüllestunk“-Nachbarschaft ist (der verfügt übrigens über einen der merkwürdigst-bescheuerten Nachnamen, die mir im Deutschsprachigen bislang begegnet sind – zum Schutze meiner Anonymität kann ich ihn Euch leider nicht verraten, aber es ist in etwas sowas wie „Herr Bummsfallera“, „Schreinerei Knallpengenberg“, oder „Tischlermeister Bombenschlecker“), oder eine junge Kunstschreinerin, die ich mal auf einer Party traf, oder diverse Holzhändler, Möbelschreiner, Kunst-Schnitzer, Antiquitätenrestauratoren, usw. aus der entfernteren Verwandtschaft, dem Kunden- und Bekanntenkreis – alle „Holzwürmer“ sind überwiegend schwer in Ordnung. Mal auf eine heiter-humorige, mal auf eine sehr offen gesprächige und auch mal auf eine eher ruhig-verschlossene, aber geradlinig-aufrichtige Art. Wenn ich hingegen mit metallverarbeitenden Menschen, oder Stein- und Beton-Verarbeitern zu tun hatte, war das nicht der Fall: Hier gab es in etwa jene Arschloch-Quote, die sich auch allgemein durch die Durchschnittsbevölkerung zog. Gut, die Leute in meiner Baustoffhandlung hier im Nachbardorf sind auch ganz nett – aber nicht unbedingt auffallend liebenswürdig. Bei Maurern und diversen Innenausbauhandwerkern stieß ich auf etliche Arschlöcher, Choleriker, Griesgrame – schlimmer war es oft noch bei den Metallverarbeitern, wie Schlossern, Schweißern und Metallbauingenieuren. Ich glaube der Werkstoff Holz wirkt sich „positiv“ auf die Charakterbildung aus. Ich merke oft selber, dass ich mich immer entspanne, wenn ich mit Holz arbeite – Metallverarbeitung nervt mich hingegen und macht mich manchmal eher aggressiv. Betonbau ist auch nicht so angenehm, wie die Holzbearbeitung. Ich mag den Duft von frisch gesägtem Holz. Sägespäne, Holzmehl… Selbst der Brandgeruch, den eine schnell laufende Holzfräse hervorruft – das riecht dann angenehm nach Lagerfeuer! Flex-Geruch habe ich hingegen nicht so gern in der Nase. Metallische Aromen können mit dem Duft frisch bearbeiteten Holzes einfach nicht mithalten. Auch mineralische Gerüche, wie Gesteinsmehl und beim Betonanrühren aufsteigender Zementnebel, sind eher nicht so angenehm… Holz hat etwas Ursprüngliches. Natürliches. Fühlt sich stets angenehm vertraut an. Leimen und Lackieren, statt Schweißen und Feuerverzinken. Holz sägen ist angenehm – Metall sägen hat hingegen fast schon etwas Kriegerisches an sich. Vermutlich wirkt sich der täglich Umgang mit dem Werkstoff Holz tatsächlich positiv auf die Menschen aus, die dieses tun. Warum sonst diese Häufung von sympathischen, ausgeglichen wirkenden, humorvollen, freundlichen Individuen unter den Holzbearbeitern? Falls ich nochmal bei null anfangen müsste und dabei die Vorgabe hätte, statt zu studieren ein Handwerk zu erlernen, dann wäre das höchstwahrscheinlich etwas mit Holz. Dann wäre ich heute vermutlich Schreiner, Kunsttischler, oder Möbelrestaurator – und hätte vermutlich nur noch sechs bis acht Finger… 😉

3 Gedanken zu “Ein Herz für Holzhandwerker

  1. Toms Freund bei Murnau, der für unsere Familie paar Hochbetten konstruiert hat, der hat Anfang der Achtziger die Schreinerei seines zu früh verst. Vaters übernommen. Zwar ist er auch für den Messebau unterwegs, doch so prickelnd sind Fensterbau en gros oder Kücheneinbau für Vertragsfirmen sowie Parkett verlegen sicherlich auch nicht. Aber okay, irgend welche Reize übt das Schreiner- oder Tischlerhandwerk ganz sicher aus – ich hab hier so viel naturbelassenes Holz im Haus, wie ich damals nur durchsetzen konnte … 🙂

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