Hypermentale Projekte – wenn sich Beton im Garten ausbreitet

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Oben im Blogeintrag-Header sieht man keine geheimnisvolle Ausgrabungsstätte in Göbekli Tepe, Tenochtitlan, oder im Tal der Könige – nein es ist eines der hypermentalen „Projekte“! Der Autor dieses Blogs hat in den letzten Jahren nicht nur gewissermaßen Zugang zu den Freuden der Gartenarbeit gefunden, er ist darüber hinaus auch unter die Wühler und Bastler, Säger, Flexer und Betonierer gegangen – die Zeiten in denen er sich babypopoglattrasiert und mit sorgsam drapierter Gel-Locke in der Stirn im Nadelstreifen-Maßanzug durchs feingeistig-kulturelle „Shangri-La“ bewegte, scheinen lange passé zu sein. Als mittlerweile vollbärtig verschrateter Camouflage-Jogginghosenträger hat er offenbar ein paar Handwerkerallüren entwickelt…

Doch der Reihe nach – Schuld daran ist nämlich die Schildkröte! Und das kam so:

Mein Bruder und meine Schwägerin hatten sich in Zeiten deutlich vor jeglicher Familienplanung eine griechische Landschildkröte als apartes Haustierchen zugelegt. Als kleines Babykrabbeltier genoss diese deren volle Aufmerksamkeit und Zuwendung und hauste in einem bescheidenen Glasterrarium, wenn sie nicht gerade Freigang in der damals bewohnten Dachgeschossmaisonette hatte. Mit den Jahren wuchs das gepanzerte Reptil, das Terrarium wurde allmählich zu klein und die ganze Haltung entpuppte sich als wenig artgerecht. Außerdem kamen zwei Kinder auf die Welt und Testudo hermanni somit mehr und mehr ins Hintertreffen. Als das dritte Kind unterwegs war, zogen die überforderten Großstädter tierhaltungstechnisch die Notbremse und schickten den kleinen Griechen im letzten Sommer zur zeitlich weniger ausgelasteten Verwandtschaft ins ländliche Exil. So kamen Philomena und ich 2017 auf die Schildkröte.

Philomena ist das personifizierte Tierwohl, „artgerechte Haltung“ wird bei ihr – die in jüngeren Jahren stets Vögel, Pferde, Hunde und Katzen um sich hatte – groß geschrieben! Deshalb mussten nicht nur Dutzende Landschildkröten-Fachbücher angeschafft werden, sondern auch ein geräumiges Außengehege her, damit das wackere Schildkrötenmännchen bei warmem Wetter draußen an der frischen Luft umherwandeln kann. Noch vor meiner Skandinavienreise erfolgte deshalb der Bau des Außengeheges:

0009 Schildkrötengehege

Dieses Gehege soll im kommenden Frühjahr noch erheblich ausgebaut werden. Damit der kleine Kröterich auch an kühleren Tagen und auch nachtsüber, vor Kleinräubern wie Ratten, Wieseln oder Mardern geschützt, draußen bleiben kann, werde ich das Freigehege um ein nachts verschließbares Frühbeet erweitern. Ein kleines Minigewächshaus, in dem wärmere Temperaturen herrschen, als draußen, wo er bislang nur ein offenes Betonhäuschen als Unterschlupf hat. Natürlich bekommt das Glashäuschen als Überhitzungsschutz einen automatischen Dachlukenöffner, der mechanisch funktionierten wird. Die Elektrifizierung des Schildkrötendomizils wird schließlich in einem dritten Bauabschnitt erfolgen, wahrscheinlich später im Herbst dieses Jahres. Dann ziehen dort auch eine Lichtquelle und eine Heizung ein, damit das Tier bis in die dunklen Herbsttage und kalten Herbstnächte hinein draußen leben kann.

Momentan befindet sich das 12 Jahre alte Landschildkrötenmännchen in einem unserer Kühlschränke, wo es mit Temperatursensoren überwacht unter kontrollierten Bedingungen seine Winterstarre hält. Ich wäre im nächsten Leben am liebsten auch eine Landschildkröte – dann könnte man die leidige Jahreszeit zwischen November und März einfach verpennen!

Ein weiteres schildkrötenbedingtes Bauprojekt findet nicht im Freien statt, sondern sorgt seit einigen Monaten dafür, dass wir momentan kein richtiges Wohnzimmer mehr haben. An dessen Stelle eröffnete nämlich eine temporäre Holzwerkstatt! Schließlich soll es Klein-Kröti auch drinnen schön haben, wenn er aus seiner Winterstarre erwachen und draußen das Minigewächshaus noch nicht fertig sein wird (ich kann nämlich erst weiterbauen und -betonieren, wenn es draußen sicher frostfrei bleibt). Das alte Glasterrarium ist inzwischen viel zu klein und (Tierwohl!) ein neues, sehr viel geräumigeres Innengehege muss her. Jetzt um den Jahreswechsel herum herrscht bei dieser für mich vollkommen neuen Schreinerarbeit ein unfreiwilliger, zeitweiliger Baustop, denn bei meiner ganzen Bastelei ging mir vorübergehend das Geld für Baumaterialien aus – schließlich bin ich auf dem seit Jahren stetig absteigenden Finanzast in Richtung Geringverdiener-Sphären unterwegs… Aber bald schon wird es weitergehen, ich werde hoffentlich noch rechtzeitig vorm Ende der Winterstarre fertig sein. Hier seht Ihr Bilder vom Zwischenstand bei der Innengehege-Tischlerei im momentan zum Teil leer geräumten Wohnzimmer:

0011 Terrarium

Wie Ihr seht, baue ich keine simple Krötenkiste, sondern – da kommt der alte, schnöselige Feingeist mit hohen Ansprüchen dann doch wieder zuverlässig durch! – ein Konstrukt, das auch als Antikmöbel durchgehen könnte: Allerlei feine, dunkel gebeizte Holzornamentik wird verbaut und die noch leeren Seitenflächen werden später noch bis zur halben Höhe mit lederbezogenen Tafeln und darüber mit Fensterscheiben, die ich noch beim Glaser bestellen muss, ausgefacht. Innendrin wird dann alles mit Teichfolie ausgeschlagen und danach artgerecht gestaltet und bepflanzt. Diesen Aufwand betreibe ich, weil ich das neue Terrarium als stilsicher passende Wohnzimmerausstattung betrachte, die uns noch lange erhalten bleiben soll. Denn die griechische Landschildkröte soll sich dort nicht nur an den Tagen nach der Winterstarre aufhalten können, sondern auch sicher ins Hausinnere verräumt wohlfühlen, falls Philomena und ich sommers mal eine längere Zeit verreist sein sollten. Dann wird es innen natürlich auch einen Wasser- und Futterspender geben. Taghelle Metalldampflampenbeleuchtung und eine Wärmequelle werden selbstredend auch noch eingebaut.

Doch nun zu weiteren hypermentalen „Projekten“! Denn ich habe von der Betonkauferei noch lange nicht genug:

0010 Beton

Hier auf dem Foto lagern gerade 1,6 Tonnen frisch angelieferter Zementsäcke in unserer Auffahrt. Denn quasi auf den letzten Metern vorm einsetzenden Winterfrost habe ich Ende November draußen noch ein Hochbeet im Garten gebaut, das ich im kommenden Frühjahr und Sommer noch befüllen und bepflanzen werde:

0014 Hochbeet

Neben allerlei Gewürzen und Gartenkräutern sollen in den Hochbeet-Fächern natürlich auch Schildkrötenfutterpflanzen gepflanzt werden (Tierwohl!)… Das Grabensystem auf dem Eintrag-Header-Bild ganz oben entstand im Zuge der Fundamentvorbereitungsarbeiten für die Hochbeetwände, entsprechend angeordnet hatte ich es ausgehoben. In den Tiefen dieser Gräben ließ ich auch gleich noch ein flexibles, schlauchartiges Leerrohr für ein zu einem späteren Zeitpunkt hier langführendes Stromkabel verschwinden, mittels dessen Hilfe ich dann irgendwann von der Garage aus die angedachte und bereits weiter oben erwähnte Elektrifizierung des noch zu bauenden Schildkröten-Glashäuschens realisieren kann! Die Wandteile des Hochbeets bestehen, neben von mir in Erdlöchern als Formen gegossenen Beton-Kunstfelsen, aus braun eingefärbten, weidengeflechtartig strukturierten Betonfertigteilen und gingen daher ein bisschen ins Geld…

Um das Hochbeet herum werde ich im kommenden Sommer ein Wegsystem und eine zusätzliche, kleine Terrasse pflastern. Schnöde Gehwegplatten sind mir dafür jedoch zu profan – aber für hochwertige Naturstein-Polygonalplatten fehlt mir nun schon wieder einmal die Kohle… Abermals ein Neuverarmungs-Altschnösel-Konflikt! Wie hilft sich Hypermental nun? Natürlich mit einem weiteren Projekt:

0012 Steine

Kurzerhand habe ich bereits im Frühherbst 2017 bunt eingefärbten Beton in die Gegend gegossen und daraus dann haufenweise selber Polygonalplatten und natursteinähnliches Pflaster gehauen! Man muss sich nur zu helfen wissen – dann wird so ein Projekt auch mal etwas weniger teuer.

Geld fürs Fitnessstudio spare ich mir bei dem ganzen Betonwahnsinn auch – denn die ganze Zementsäcke- und Kunstfelsenschlepperei grenzt teils an echtes Krafttraining… Einmal kam ich diesbezüglich jedoch an meine Grenzen und merkte meine mangelhaften gesundheitlichen Ressourcen: Beim Tragen eines ca. 80 Kilo schweren Klotzes ist mir nach wenigen Metern ein bisschen schlecht geworden. Vermutlich hatte mir eine hervorstehende Kante des Brockens beim Tragen dermaßen heftig auf den Wanst gedrückt, dass ich mit spontanem Durchfall zum Klo flitzen musste!

Doch nun genug mit dem ganzen Betonierungswahn – Euch dürfte wahrscheinlich bereits der Kopf rauchen… Deshalb verbleibe ich, nun abrupt den Eintrag beendend, mit hypermentalen Grüßen an meine Leser!

 

 

9 Gedanken zu “Hypermentale Projekte – wenn sich Beton im Garten ausbreitet

  1. Soo d e r Waahnsinn – ich bin platt. Wow. Perfekt. An sich dachte ich, Du hättest für den fein verzierten Schildkrötenbau Antiquitäten zerlegt, aber ganz offenbar ist sowas käuflich, oder hast Du am Ende die Müsterchen auch noch selber geprägt?
    Sorry, wenn ich Dir immer meine aktuellen Traumsequenzen hier antun muß, aber dreht sich ja schon wieder um einen Beitrag von Dir. Vorige Nacht erschien mir eine heruntergekommenes, jedoch ordentlich eingerichtetes Wohnzimmer. Ich rückte nervös an einem zwar sauberen, aber einstmals billig produzierten Schreibtisch herum, und meinte, der könne doch bestimmt jetzt zum Sperrmüll … 😉 Ja, ich weiß, bei Dir liegt genau das Gegenteil vor. Übrigens freu ich mich, Dein legendäres rotes Ledersofa mal aus dieser Perspektive betrachten zu dürfen: Total behaglich, wie geschaffen zum drauf rum fläzen … 🙂 Ich wünsch Euch noch, daß Ihr Euer Wohnzimmer trotz liebevoller Schreinereiarbeiten alsbald wieder selber beleben zu können. Was wär ich ohne das Meinige – nicht auszudenken. Ach, erkenne ich da eigentlich eine Katzenaußentreppe an der Hauswand bei den selbst hergestellten Betonplatten? Auch total schön, und weißt Du denn, daß sich Katze und Schildkröte problemlos vertragen? 😉

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    • Danke, danke… Die Katzenaußentreppe hatte ich bereits vor einigen Jahren gebaut, als wir vorhatten, uns ein Katze zuzulegen. Bis dato ist aber keine Katze eingezogen, weil wir so lange zwischen Katze und Hund schwankten, bis dann ungeplant die Schildkröte dabei heraus kam. Außerdem waren wir in der letzten Zeit immer mal wieder mehrwöchig verreist, was auch gegen eine Katzenanschaffung sprach… Vielleicht verirrt sich aber mal eine Gastkatze auf die Treppe — abwarten… 😉

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  2. „Momentan befindet sich das 12 Jahre alte Landschildkrötenmännchen in einem unserer Kühlschränke …“ -> 😅 Na, aufgrund eures Eremitenlebens ist die Gefahr, dass jemand Unbefugtes besagten Kühlschrank aufreißt, zum Glück wohl eher gering. Schaut beides gut aus. Neue Schildkrötenwohnung als auch das Hochbeet.

    Grüße von Mary aka Eve76 (- ich erwähne das jetzt mal sicherheitshalber, nachdem der Orbi sich auch schon über diese ominös-penetrante Kommentatorin wunderte. 😉)

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  3. Das wird ein sehr schickes Schildkrötenheim, das du da gerade baust. Und ja, Winterschlaf/-starre wäre etwas Feines… schade, dass wir Menschen die kalte Jahreszeit nicht einfach verschlafen können.

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